Fischmarkt

eiskaltes vergnügen

Fischmarkt im Dunkeln. Okay, im Winter jetzt nicht die Frühaufstehleistung.
Es tönt eine Drehorgel. “O Tannenbaum, du grünst nicht nur zur Winterzeit…..”. Dann hört der Spieler einfach auf zu spielen und sticht in die Menge.

Langsam wird es hell, in der Cafébar direkt gegenüber der Auktionshalle laufen Titel aus den 60ern, während ich mir den Schaum meines Latte Macchiato auf der Zunge zergehen lasse. Der erste Löffel ist immer der Beste.

Inzwischen ist es 9 Uhr geworden. Meine Hände nehmen die Restwärme meines leeren Glases auf. Vor der Tür streut der Winterdienst Sand auf den Gehweg. An der Currybude stehen Männer in Gelb. Der Mann hinter der Theke füllt Ketchup nach und bekommt einen Kuss von seiner Frau.

Die Sonne hat es immer noch nicht über die Werft geschafft. Minus 10 Grad.
Und die Ebbe zieht die Eisschollen mit hoher Geschwindigkeit zur Nordsee hinaus.
Heute habe ich Leggins, Jogginghose und Hose übereinander an.
Die einzige kalte Stelle sind meine Zehen. Und die schreien nach Wollsocken vom Fischmarkt.

Später erfahre ich auch, warum der Drehorgelspieler so abgedüst ist.
Ich will ihn fotografieren, da kommt er auf mich zugeschossen: “Foto kostet 50 Cent oder mehr!” Als ich lachend zahle, meint er zu einem anderen Mann:  “Das Mädchen hat Benehmen, die gefällt mir!”

Punkt halb 10 läuft dann die Durchsage, dass der Fischmarkt beendet ist.
Eine Weile später die “Durchsage für die Marktbetreiber”:
“Der Verkauf ist sofort einzustellen, die Marktstände sind abzubauen und die Marktfläche ist zu räumen.”

Und dann wird es erst wirklich laut!