Wien Oktober 2017

Wenn's mal so richtig weht...

Umwerfend – Sturmtief Herwarth – Wind mit Böen bis 120 km/h.

Alles fliegt, wackelt und tanzt. Zeitungen und Tüten wehen meterhoch durch die Luft,
Straßenlaternen, an Kabeln schaukelnd hängend, beleuchten die Stockwerke des Hochhauses gegenüber dem Hotel unregelmäßig hoch.

Laub weht über die Straße, um neben dem Wartehäuschen der Haltestelle in Wirbeln zur Ruhe zu kommen. Unter den Straßenbäumen mehr oder weniger große Äste.
Die Feuerwehr rückt alle Augenblicke aus.

Tag 1

Ein nieseliger Schnellrundgang nach der Ankunft am Nachmittag, wir sind entschieden zu kalt angezogen für den Wind. Abschluss mit einem sehr guten und teuren Abendessen am Hohen Markt mit Zitronensaft und Mineralwasser. Ein Aha-Erlebnis – so lecker.

 

Tag 2

Heftig stürmisch. Der Regen hat aufgehört, als wir mit der U-Bahn zum Technischen Museum aufbrechen. Beim Umsteigen am Westbahnhof kommt kurz die Sonne raus. Trotzdem können wir uns gegen den Wind lehnen.

 

Als wir das Foyer des Museums betreten, beginnt es zu gießen. Blätter retten sich durch die Drehtür in den Eingang. Wir sind dankbar, dem Regen unter dem Glasdach zuzusehen. Auch wenn wir in einer Schlange mit „Tausend Kindern“ stehen. Das ein Zitat eines mittelalterlichen Mannes hinter uns.

Das technische Museum hält uns zwei Stunden gefangen. Die Zeitreise der Haushaltselektronik durch die Jahrzehnte amüsiert. Großmutters chromglänzender elektrischer Wasserkocher, Vaters Tonbandgerät und mein erster Taschenrechner spielen mit meinen Erinnerungen.

Beim Verlassen es Hauses bemerken wir, dass trotz Sturm der Himmel strahlend blau wird.

Also doch nach Schönbrunn, wo wir uns mit den Menschenmengen treiben lassen und im Park landen, der, wie wir später erfahren, unwetterbedingt eigentlich geschlossen ist.



Durch den ausgiebigen Regen glitzert der Boden, die Sonne strahlt uns auch von unten an. Die Sturmböen schütteln die alten Bäume heftig hin und her, so dass wir dann doch den Ausgang suchen.
An anderer Stelle hat, einer Herde Kühe gleichend, eine Gruppe Menschen ein offenes Tor gefunden und strömt für ein paar Minuten in die Parkanlage, bis ein Wärter eilends kommt und sie wieder hinausschickt.

Die U-Bahn bringt uns zum Karlsplatz. Immer wieder Sturmböen, die Bahnhofslautsprecher zum Schaukeln bringen, Verkehrsschilder und Bauzäune gar zum Sturz. Riesige Blätterhaufen unter den Bäumen vor der Karlskirche.

 
 

Die in der Kärntnerstraße angebrachte Weihnachtsbeleuchtung schwankt gefährlich. Wir gehen eine Runde um den Dom und durch die angrenzenden Hinterhöfe im Bogen Richtung Hofburg.
Die Feuerwehr sperrt einen Teil des Grabens, am Haus darüber gefährlich baumelnd eine losgerissene Jalousie.

Als die Sonne gegen 16 Uhr langsam hinter den Häusern versinkt, gehen wir ihr durch die Hofburg entgegen. Trotz des Windes sind einige Touristen unterwegs.

Mit dem Naturhistorischen Museum betreten wir einen Prunkbau ungeahnten Ausmaßes. Allein der Eingangsbereich mit Kuppel und Treppe verschlägt uns den Atem.

Danach dann die Unmengen ausgestopfter Tiere in allen Größen. Sicher zehn Meter hohe Räume beherbergen Glasvitrinen mit Elch und Walross, Spinne, Schlange und Schildkröte.
Wie viele Tiere im Namen der Wissenschaft ausgestopft oder in Gläsern konserviert wurden, befremdet mich und dass es größtenteils noch lebende gibt, kommt mir vor wie ein Wunder.

Den Rückweg zum Schottentor laufen wir zu Fuß. Wenn wir denn gegen den Wind vorwärts kommen.
Die blaue Stunde trotzdem perfekt.

Tag 3

Am Westbahnhof Umstieg in die U3 bis Neubau.
Die Mariahilferstraße ist neu gepflastert, wirkt lange nicht mehr so groß und breit. Und es hat einiges weniger Verkehr.

Im Haus des Meeres die vielen Aquarien und Terrarien angeschaut, überhitzt auf dem Dach in der kalten Luft wieder abgekühlt.
Den Ausblick auf Stadt und kräftig blauen Himmel dann doch lieber im Cafe genossen. Unten inzwischen eine Schlange vor der Kasse bis raus aus dem Haus.
Im Anschluss die Mariahilfer hinunter gegangen, durchs Museumsquartier zum Maria-Theresien-Platz.
Dort holte uns das Wetter ein.

Unter den vielen Bögen und Durchgängen, in Cafes und Passagen suchen Touristen Schutz vor dem Wetter, das sogar mit Hagel aufwartet. Innerhalb von Minuten ist es Winter.



Wir laufen querbeet Richtung Schwedenplatz, genießen die Sonnenstrahlen nach dem Hagel und frieren trotzdem.



Die Fahrt zum Belvedere endet in einem längeren Fußmarsch. Bauarbeiten behindern die Züge am Ring, dorthin, wohin wir wollen, gehts an diesem langen Wochenende leider nicht.



Tag 4

Bescheidenes Wetter.
Hundertwasserhaus und Museum, dann durch den ungemütlichen Stadtpark zurück in die Innenstadt und in die Albertina. Aufwärmen im Caféhaus ist ein Muss.

 


Zu guter Letzt:
Der Diener steht im Café Demel, die leckere Esterhazytorte gibts unter anderem im Café Sluka.
Die Züge schaukeln unabhängig vom Sturm ziemlich heftig.